3 Gründe, warum NeuroGraphik in Wahrheit NICHT einfach ist

Von den NeuroGraphik-Trainern wird propagiert: „NeuroGraphik ist einfach. Jeder kann NeuroGraphik lernen.“

Ich gestehe, auch ich behaupte das.

Und es stimmt in vielen Bereichen: Du musst nicht zeichnen können, um diese faszinierenden Bilder selbst zu gestalten. Wenn du die Regeln des Basisalgorithmus beherrscht, weißt du, welche Schritte du bei einer neurographischen Zeichnung durchlaufen musst, warum das so ist und wie sie wirken.

Eigentlich ganz einfach oder?

Ja, aber.

Es gibt 3 wichtige Gründe, warum manche Menschen mit NeuroGraphik trotzdem ihre Schwierigkeiten haben und an ihre Grenzen stoßen. Wenn du dies gelesen hast, weißt du, ob du auch einer davon bist und was dir helfen könnte.

Grund Nr. 1: Du bist zu sehr im Kopf

Du zeichnest zu deinem Thema. Du weißt, du solltest darauf vertrauen, dass die NeuroGraphik wirkt, sie dein Thema für dich positiv verändert. Aber du bist aufgeregt, denn das Thema bzw. dessen Transformation ist dir sehr wichtig. Außerdem hast du noch nicht allzu oft neurographisch gezeichnet und du hast noch nie die Wirkung einer Zeichnung gespürt. Geschweige denn die Transformation im Innen wie im Außen erleben können. 

Aber du willst es unbedingt. Deshalb kannst du dich nicht entspannen. Du bist zu sehr im Kopf. Du achtest darauf, wie du zeichnest, ob du alles richtig machst. Du denkst an dein Thema. Sollst du an dein Thema denken? Du glaubst nicht, aber du kannst nicht anders. Es belastet dich, du willst es endlich loswerden. 

Du bist wieder in deiner üblichen Gedankenschleife gefangen. Du ärgerst dich über dich selbst. Wieso schaffst du es nie, etwas richtig zu machen? Es ist doch ganz einfach! Du bist verzweifelt und frustriert. Du bist weit davon entfernt, dass dir NeuroGraphik Spaß macht. Was soll das Ganze überhaupt? Du hast keine Lust mehr. Du bist ein hoffnungsloser Fall!

So.

Ich hoffe, dass dieses selbstzerfleischende Szenario nicht 1 : 1 das ist, was du erlebst. Aber vielleicht erkennst du dich teilweise trotzdem wieder?

Wenn das so ist, kann ich dir erstens sagen, es ist ganz normal. Du bist nicht besonders unbegabt für die NeuroGraphik. Sondern wir sind alle von der Schule, von der Arbeit darauf getrimmt worden, dass wir gefälligst unseren Kopf gebrauchen sollen. Wir müssen alles erst einmal theoretisch durchdringen, bevor wir einer Methode „einfach so“ vertrauen können. Wir sind vernunftgesteuerte Wesen, wir haben gelernt, dass wir immer auf der Hut sein müssen, keine Einzelheiten verpassen dürfen. 

Ja, das mag für die Schule, die Uni oder deine Arbeitswelt die richtige Vorgehensweise sein. Aber bei der NeuroGraphik musst du nicht mitdenken. Du kannst dich entspannen. Du machst nichts falsch. 

Zweitens hast du ein effektives Hilfsmittel, auf das du dich verlassen kannst. Du aktivierst dein Thema mit dem Tool 20/2. Dieses Tool lernst du in meinen Kursen kennen oder du kannst in meinem Buch nachlesen, wie diese Aktivierung funktioniert. 

Du hast es aktiviert und damit basta. Mehr kannst du im Moment nicht tun – außer zu zeichnen. 

Wenn du dein Thema durch 20/2 aktiviert hast, hast du es in dein Unterbewusstsein implementiert, eingepflanzt. Jetzt lass dein Unterbewusstsein machen. Mit Hilfe der NeuroGraphik wird es dieses Thema harmonisieren. Langsam, aber stetig. 

Wenn du dich in Zukunft also beim Denken erwischt, zuck die Schultern. Sag dir, das ist dein altes Ich, es kann nicht anders. Nimm es liebevoll in den Arm und wische die ollen Gedankenmuster von seiner Stirn. Sie bröseln auf den Boden und die Katze schleckt sie auf. Weg sind sie. 

Grund Nr. 2: Achtsamkeit ist eine schwierige Sache

In den letzten Jahren sprudeln jede Menge Kurse zum Thema „Achtsamkeit“ hoch. Gefühlt jeder ist damit beschäftigt, achtsamer zu werden. 

Warum ist das so? 

Weil wir in unserem stressigen Alltag verlernt haben, auf uns und unsere Gefühle und Bedürfnisse acht zu geben. 

Wir sind viel zu sehr damit beschäftigt, das Denken zu kultivieren (siehe Grund Nr. 1) und müssen konzentriert auf Details in Mails oder Computerprogrammen achten. Darüber hinaus stellen wir viel zu oft die Bedürfnisse der anderen (Chef, Kollegen, Ehemann, Kinder…) über unsere eigenen. Das alles kostet Kraft, raubt unsere Energie. Abends sind wir daher so müde, dass wir nur noch in eine Netflix-Serie abtauchen wollen anstatt unserem Wesen samt seinen Bedürfnissen in Stille Aufmerksamkeit zu schenken, wieder zu uns und dem, was wir eigentlich brauchen, zurückzufinden.

Um nicht zu fühlen, dass wir durch zu viel Stress innerlich abstumpfen, gewöhnen wir uns an, uns gegenüber unseren eigenen Gefühlen abzuschotten. Dieser Teufelskreis macht uns härter, bringt uns vielleicht nicht um, aber entfernt uns von uns selbst (und ganz groß gedacht, von unserer Seelenaufgabe: Warum sind wir überhaupt hier?).

Achtsamkeit verbindet uns wieder mit uns selbst. Dadurch reduzieren wir den Stress, fördern unsere Gesundheit und werden gegenüber Herausforderungen widerstandsfähiger. Nur um einige Vorteile des achtsamen Lebens zu nennen. Gute Gründe, um sich in Achtsamkeit zu schulen. Zum Beispiel indem wir neurographisch zeichnen.

Warum gehört Achtsamkeit zur NeuroGraphik? Ist das nur ein PR-Gag, weil sie gerade so populär ist? 

Nein. Achtsamkeit ist ein wesentlicher Bestandteil der NeuroGraphik und eine der Grundlagen für deren Wirkung. 

Warum?

In der NeuroGraphik zeichnen wir immer zu einem Thema. Durch die Art des Zeichnens kommunizieren wir mit unserem Unterbewussten. Und unser Unterbewusstsein antwortet uns. Auf die Art und Weise, auf die es zurückgreifen kann: über unseren Körper und unsere Emotionen. Es verändert z.B. unseren Atem, lässt unseren Nacken verkrampfen oder schickt uns Gefühle wie Ungeduld oder auch Zufriedenheit vorbei.

Aber manchen Menschen fällt es schwer, diese Signale des Unterbewusstseins überhaupt wahrzunehmen. Sie haben den rationalen Umgang mit sich so verinnerlicht, dass sie sich kaum mehr fühlen.

In meinen Kursen halte ich meine Teilnehmer*innen immer wieder dazu an, kurz Pause zu machen, tief durchzuatmen und in sich rein zu spüren: Wie geht es mir denn gerade? Was fühle ich? Wie spüre ich meinen Körper?

Auch du kannst das – unabhängig von mir – in deinen Zeichenprozess einbauen. Halte nach jedem Schritt des Basisalgorithmus kurz inne, nimm deinen Körper wahr und lausche in dich hinein. Welche Informationen bekommst du?

Es mag sein, dass du dir anfangs damit schwer tust, aber bleibe dabei. Du musst erst wieder in Übung kommen. Irgendwann gelingt es auch dir.

Dabei hilft dir enorm, wenn du während des Zeichnens nicht gestört wirst. Weder von einem Menschen, der ins Zimmer kommt und etwas von dir will, noch vom Handy. Schalte dein Handy auf Flugmodus. Alle eventuellen Nachrichten sind nach dem Zeichnen immer noch da. Du verpasst nichts. Du hast nur den Vorteil, dass du nicht mit einem halben Ohr, Auge oder Verstand bei etwas anderem bist.

Du verdienst deine ungeteilte Aufmerksamkeit.

Grund Nr. 3: Ungeduld

Wir sind es gewöhnt, heute zu bestellen und morgen die Lieferung zu erhalten. Alles soll schnell geschehen.

Auch NeuroGraphik kann schnell funktionieren. Eine Zeichnung – und du bist einen gewaltigen Schritt weitergekommen bei deinem Thema.

Kann, aber muss nicht.

Gerade wenn du auch unter Grund Nr. 1 und/oder Nr. 2 leidest, ist es durchaus naheliegend, dass die Wirkung der NeuroGraphik nicht so fix eintritt, wie du es dir wünscht.

Also hab Geduld.

Erstens mit dir. Verlass dein Verkopftsein und übe dich in Achtsamkeit! Das geht nicht von heute auf morgen. (Oben gebe ich dir dazu ein paar Hilfestellungen.) Aber wenn du dran bleibst, wird es immer besser. 

Zweitens mit dir. Es wird nicht die erste Zeichnung alle deine Probleme lösen. Such dir für den Anfang ein realistisches Thema aus (wenn du dir unsicher bist, was in deinem Fall ein machbares Thema wäre, hol dir die Entscheidungshilfe aus meinem „Dein Thema“-Kurs). Zeichne nicht nur 3 Bilder zu diesem Thema, sondern unzählig viele. Bis du merkst, es hat sich etwas getan. Wie merkst du das? Indem du achtsamer wirst und somit mehr fühlst. Und an den Wörtern, die bei 20/2 auftauchen. Sie sind positiver, gehen in eine andere Richtung. Du spürst nicht mehr den Druck.

Drittens hab auch Geduld mit der NeuroGraphik. Es gibt 9 verschiedene Algorithmen, über 60 „offizielle“ Modelle, also diejenigen, die in den Algorithmenkursen gelehrt werden, u.a. von mir. In meinem Buch gebe ich dir einen Überblick über die Anwendungsmöglichkeiten der Algorithmen. Darüber hinaus gibt es unzählige weitere Modelle, die Trainerinnen wie ich für die unterschiedlichsten Themen selbst konzipiert haben. Also jede Menge Möglichkeiten, dein Thema zu transformieren.

Wenn du den Basiskurs besucht hast, kennst du 2 Modelle. AVE (Entladung) und AbsichtsCheck. Sehr wichtige Modelle. Modelle, die dir den Weg ebnen und dir gewaltig weiterhelfen können. 

Aber es sind erst 2.

Zeichne viele Bilder mit diesen beiden Modellen, räume dein Seelengerümpel mit den Entladungen aus dem Basiskurs raus und geh dann weiter. Besuche die Algorithmenkurse, wenn du noch nicht am Ende deiner Veränderungswünsche angelangt bist. Denn die beiden Modelle aus dem Basiskurs können nicht alles leisten.

So, das waren die 3 wichtigsten Gründe, warum du die NeuroGraphik als schwierig empfinden könntest. Schreib mir gern in den Kommentar, ob du dich in einem Punkt wiedergefunden hast. Oder ob es noch einen anderen Grund gibt, warum die NeuroGraphik für dich nicht einfach ist. Vielleicht kann ich dir auch dabei helfen.

Keep on drawing!

Über Ingrid Werner

Ingrid Werner ist Autorin und NeuroGraphik-Trainierin. Beide Leidenschaften hat sie zu NeuroWriting, der NeuroGraphik für Schreibende, verbunden. In ihren Online-Kursen können AutorInnen kreativ-intuitiv an ihren Projekten arbeiten und damit erstaunliche Ergebnisse erzielen. Ingrid Werner liebt es, AutorInnen und andere kreative Menschen auf ihrem Weg zu begleiten.

4 Kommentare

  1. Veröffentlicht von Ingrid Werner am 24. Juni 2024 um 09:46

    Hallo liebe Heinke, super! Genau so ist es! Danke dir fürs Teilen deines Prozesses!



  2. Veröffentlicht von Ingrid Werner am 24. Juni 2024 um 09:45

    Wunderbar, liebe Veronika! Danke für diese Rückmeldung. Ich freue mich, wenn dir der Artikel geholfen hat. Du kannst natürlich auch einfach Kreise und Linien zeichnen, um “runterzukommen”. Das ist völlig legitim. Wichtig ist mir, dass du dir beim Zeichnen zu einem Thema keine Vorwürfe machst, wenn deine Gedanken wandern. Kein Druck. Das wird.



  3. Veröffentlicht von Heinke Banke am 24. Juni 2024 um 09:32

    Moin liebe Ingrid,
    Danke für den Artikel….ich habe und konnte seit der letzten Session nicht neurografisch malen…habe jedoch immer dran gedacht und mir meine Zeichnungen immer wieder angesehen und mich drin vertieft. Das allein hat mir eine sooo wohltuende und innere Klarheit gegegeben….”Ich muss nichts sofort lösen, es braucht seine Zeit” Ab heute geht’s für mich weiter, voll motiviert ans malen.
    Danke für Dein Tun, liebe Ingrid.
    Liebe Grüße aus Lübeck Heinke



  4. Veröffentlicht von Veronika Danckers am 24. Juni 2024 um 08:25

    Ein besseres Timing für Deinen Blog-Artikel konnte es nicht geben
    Samstag Abend habe ich ein bisschen gezeichnet, ohne Thema, wollte einfach nur den Algorithmus üben. Also ein paar Linien (geführte natürlich) zeichnen und dann Kreise. Nach einer Stunde war ich fertig … und irgendwie gefrustet. Warum?
    Ich habe schon am Abend selbst gemerkt: ich bin voll im Kopf und noch mit anderen Gedanken beschäftigt gewesen (was ich hätte alles tun sollen, aber nicht tat), ich war wenig mit mir in Verbindung (wollte die Unzufriedenheit einfach weg haben).
    Beim Lesen Deines Artikels hörte ich mich denken: Ach so! Ja klar! Und nun bin ich mit mir wieder im Frieden. Ich weiß jetzt, dass ich mich bewusst auf das Zeichnen einstimmen darf und nicht mal so eben nebenbei, wenn ich geistig noch völlig woanders unterwegs bin. Ich darf mir Zeit nehmen.
    So freue ich mich auf die weitere spannende Reise mit der Neurographik.
    Vielen Dank, liebe Ingrid, für Dein Wirken ❤️



Hinterlassen Sie einen Kommentar